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Gescheiterte Revolutionen - #revolution #fail

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Am 10. & 11. Juli 2009 findet in der Berliner Bar 25 ein feine Veranstaltung statt, die das Performance- und Theaterkollektiv Showcase Beat Le Mot organisiert: der Kongress Gescheiterte Revolutionen. Als ich dazu für einen Beitrag angefragt wurde, schlug ich unter dem Titel “Die permanente Revolution: Zur kommunikativen Inflationierung eines Begriffs” folgendes vor:

Während der Revolutionsbegriff munter durch Ökonomie & Technologie sowie Kunst & Kultur geistert, hat er zur Charakterisierung des politischen Wandels in westlichen Gegenwartsgesellschaften weitgehend ausgedient. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Beitrag exemplarisch mit begriffsgeschichtlichen Aspekten und fragt nach den aktuellen Akzenten eines beständigen Bedeutungswandels.

Diese zugegebenermaßen vage Beschreibung hat sich unter dem Eindruck aktueller Ereignisse inzwischen konkretisiert und so wird muss es anlässlich der Geschehnisse in & um den Iran auch um den Zusammenhang von Revolutionsmedien & Medienrevolutionen gehen, also um Fragen wie, ob die Revolution nun getwittert oder vielmehr getagged wird… Für ein programmatisches Statement zur Veranstaltung sowie eine ausführlichere Programmübersicht siehe die SCBLM-Website.

“Ein Ort, an den man gerne geht” - revisited

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Filed under Erinnerungskultur, Publikationen

Zehn Jahre ist sie jetzt her, die Entscheidung des Deutschen Bundestags zur Errichtung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin (wer die Diskussion vor der Abstimmung im Plenum noch einmal nachlesen mag, hier das 66 Seiten starke Protokoll der betreffenden Sitzung als PDF-Dokument). Und am 25. Juni 1999 dauerte die Debatte bereits über zehn Jahre an. Insofern stammt die Initiative für das Projekt noch aus der alten Bundesrepublik. Was aus dieser Konstellation resultiert, und wie sich im Ergebnis dann doch ein Wandel der Erinnerungskultur manifestiert, für den nicht zuletzt alltagskulturelle Formen der Aneignung des Monuments relevant sind, das versuche ich in einem gerade erschienen Aufsatz zu fokussieren. Erschienen ist dieser Beitrag zum Holocaust-Mahnmal in dem von Herfried Münkler & Jens Hacke herausgegebenen Sammelband Wege in die neue Bundesrepublik: Politische Mythen und kollektive Selbstbilder nach 1989 (hier die Angaben des Verlags inkl. Inhaltsverzeichnis & Leseprobe).

Holocaust-Mahnmal

Das Holocaust-Mahnmal stellt jedoch nur den zentralen Ausdruck eines besonderen Engagements des Bundes dar. Welche Rolle die Bundeskulturpolitik bei der finanziellen Förderung der Erinnerungskultur “vor Ort” spielt und wie sich dies in politikwissenschaftlichen Kategorien fassen lässt, thematisiere ich unter dem Titel “Die Gedenkstättenkonzeption des Bundes als Instrument geschichtspolitischer Steuerung”. Dabei handelt es sich um einen Beitrag zum Jahrbuch für Kulturpolitik 2009, das dem Thema “Erinnerungskulturen und Geschichtspolitik” gewidmet ist. Einen Überblick über die beeindruckende Bandbreite des über 500 Seiten starken Kompendiums und die illustre Auswahl an Autoren, die nicht nur Experten aus der Wissenschaft sondern auch Vertreter des Bundestags sowie der Fraktionen umfasst, gibt es hier.

kultur.macht.geschichte – geschichte.macht.kultur

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Unter diesem Titel findet am 11. und 12. Juni 2009 in Berlin der 5. Kulturpolitische Bundeskongress statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kulturpolitik und politische Bildung die Themen Geschichte und Erinnerungskultur aufgreifen sollen. Am Freitag um 11.00 Uhr beteilige ich mich in diesem Kontext im Forum 8 an der Diskussion über (mediale) Geschichtsvermittlung zwischen Bildungsanspruch und Histotainment. Vorab ist dazu auf der Website zur Veranstaltung der Beitrag “Die Zukunft der Erinnerung ist digital” erschienen, der einige Beispiele aus meinem Aufsatz aus dem Sammelband “Erinnerungskultur 2.0″ aufgreift.

Out Now: Erinnerungskultur 2.0

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Gerade ist der von mir herausgegebene Sammelband Erinnerungskultur 2.0: Kommemorative Kommunikation in digitalen Medien erschienen. Der Band versammelt Vertreter aus Architektur, Geschichts-, Kommunikations-, Literatur- und Politikwissenschaft um an verschiedenen Fallbeispielen und Formaten die Veränderungen zu reflektieren, die sich durch Neue Medien für Geschichtsvermittlung und Opfergedenken ergeben. Die Beiträge verbinden die Beschreibung aktueller Anwendungen aus den Bereichen Computerspiel, E-Learning, digitaler Rekonstruktion zerstörter Synagogen, virtuelles Gedenken, Websites zu Nationalsozialismus und Holocaust, Wikipedia und Medieninhalte von Zeitzeugen mit der Analyse aus gedächtnistheoretischer sowie medienwissenschaftlicher Perspektive. Im Fokus steht das Verhältnis digitaler Verbreitungsmedien zu Orten wie Archiv, Denkmal und Gedenkstätte sowie historischen Darstellungen in Fernsehen, Film und Literatur. Für detaillierte Angaben zu den Aufsätzen und den Autoren siehe die Website zur Publikationsreihe des Gießener Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI).

Vom Teenager zur Popkulturpolitik

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Dieses Feld lässt sich in den nächsten Tagen durch den Besuch von zwei Veranstaltungen durchschreiten:
Am 4. März 2009 steht in Berlin zunächst die Podiumsdiskussion “Pop und Politik – Mitspieler oder Gegenspieler?” auf dem Programm. Anlass ist die in Kürze erscheinende Publikation des Politikwissenschaftlers Jörg-Uwe Nieland  zum Thema “Pop und Politik. Politische Popkultur und Kulturpolitik in der Mediengesellschaft”. Mit von der Party (gerahmt wird das Event von einem DJ-Set) sind neben Nieland die Bundesvorsitzende der Grünen und ehemalige Managerin der deutschen Agit-Prop-Heroen “Ton Steine Scherben”, Claudia Roth sowie Peter Hein (Fehlfarben). Wer wissen will, wie dieser von Hajo Schumacher moderierte  Mix funktioniert, der kommt um 20 Uhr in den Roten Salon der Volksbühne.
Ab dem 5. März (Marburg) bis zur Leipziger Buchmesse (für alle Termine und Details siehe die Website des Verlags; scroll down zum Autor) ist dann Jon Savage in Deutschland  auf Tour und promotet sein zum Standardwerk prädestiniertes Buch “Teenage: Die Erfindung der Jugend (1875-1945)”. Gemeinsam mit seiner Übersetzerin Conny Lösch präsentiert Savage ausgewählte Kapitel, Musikbeispiele und zeitgenössische Fotografien. Für einen ersten Eindruck inklusive Inhaltsverzeichnis, Leseprobe & Pressestimmen sei wiederum auf den Verlag verwiesen.

“Concept of a Culture”

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So lautet der Untertitel des aktuellen Albums “The Bridge” von Grandmaster Flash, einem Pionier des Plattenauflegens. Diese an den DDR-Terminus des “Schallplattenunterhalters” gemahnende Charakterisierung erfasst die Kulturtechnik des DJing natürlich nur unzureichend. Darauf haben zuletzt in gewohnt informierter Weise die Soziologen Ronald Hitzler und Michaela Pfadenhauer in ihrer dichten Beschreibung des “Arbeitsalltags einer Kultfigur” hingewiesen. Während sie die Figur des Techno-DJs fokussieren, akzentuiert HipHop-Original Flash in einem Interview die pluralen Quellen des Mix: “Aber wenn ich auflege, dann spiele ich ein Funk-Break, danach vielleicht ein Pop-Break und dann ein Jazz-, Techno-, Disco- oder Rock-Break.” Dieser Ekklektizismus ist nicht nur im frühen HipHop sondern auch in den Anfängen der House-Music präsent. Prototypisch nachvollziehen lässt sich das an Hand von Sendungen der Chicagoer Radiostation WBMX aus den Achtzigern. Was hier stilmäßig vermeintlich durcheinander ging, schockiert aus der heute verbreiteten Perspektive des Genre-Purismus, lässt aber die Herzen von Freunden des musikalischen anything-goes höher schlagen. Einen Blick auf diese historische Konstellation zu werfen, dazu wird anläßlich des 20-jährigen Jubiläums der Loveparade in diesem Jahr noch Gelegenheit sein. Im Sinne einer (Selbst-)Historisierung sei dafür schon mal auf einen eigenen, inzwischen auch schon zehn Jahre alten Versuch verwiesen, die erwähnten Phänomene in einem sozialwissenschaftlichen Kontext zu reflektieren: “Die Techno-Szene”.

Verfassungsfolklore made in Germany

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2009 stehen in Deutschland diverse Jubiläen auf dem erinnerungskulturellen Event-Kalender. Im Fall des für den 23. Mai zum 60. Geburtstag des Grundgesetzes geplanten “Verfassungsfest” hat sich bereits ein veritabler Parteienstreit entzündet. An dessen vorläufigem Ende steht das Aus für eine Polit-Party im Stil der Bürgerfeste am Tag der Deutschen Einheit. Warum es dazu kam, was das mit Barack Obama zu tun hat und ob der Re-Import der Loveparade ins Regierungsviertel ein adäquater Ausweg aus der Inszenierungskrise wäre, dazu mehr in meinem Beitrag zum Brauchtum der Berliner Republik für CARTA.

Willkommen in Rüttgers Club!

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Seit der hessischen Landtagswahl ist er im Gange, der Wettbewerb um den Obama-Oscar in der Kategorie online campaigning. Spiegel Online sieht es so: “Thorsten Schäfer-Gümbel und Roland Koch ‘twittern’ im Hessen-Wahlkampf wie ein Obama.” Diese Einschätzung mutet etwas seltsam an, insofern selbst aufmerksamen Beobachtern nur ein RoKo-Profil ohne Inhalt respektive unklarer Provenienz bekannt ist. Eine kurze Konversation ergab darüber hinaus eine Selbst-Nominierung der Parteitags-Website www.ldk-interaktiv.de sowie den Hinweis auf www.nrwcdu.de (beides augenzwinkernd via Bastian Dietz). Und in der Tat: Die Nordrhein-Westfalen-Union hat von Obama gelernt und betreibt offensiv die Adressen-Akquise, wie der screenshot dokumentiert (nach der Eingabe folgt ein Formular, in der die Daten bis ins Detail erhoben werden).

Mit diesem Format wird ein hoher Ausschlag auf der nach oben offenen Obama-Skala erreicht. Denn obgleich die Online-Registrierung für die zentrale Wahlkampf-Veranstaltung der Hessen-CDU vom Marketing-Dienstleister TeleMail abgewickelt wurde, blieb man überraschender Weise bislang von daraus resultierenden mailings verschont. Bleibt abzuwarten, was folgt, wenn man sich in Rüttgers Club eingetragen hat. Die Ankündigung aus der Bestätigungs-Mail verheißt folgendes:

“Sehr geehrte Nutzerin, sehr geehrter Nutzer,
herzlichen Dank für Ihre Registrierung. Ihre E-Mail-Adresse ist für mich und für die CDU Nordrhein-Westfalen von großer Bedeutung. Denn ich möchte den Dialog mit Ihnen.
Ab sofort erhalten Sie regelmäßig aktuelle und hochwertige Informationen aus erster Hand und vieles mehr. (…)
Herzliche Grüße
Ihr
Jürgen Rüttgers”

TV on the Web: Zwei Korrekturen zur Hessen-Wahl

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  1. Sieht man mit dem Zweiten besser?
    Der famose Cerno Jobatey konnte heute im Morgenmagazin mal wieder nicht von der setcard ablesen und kündigte zur Online-Berichterstattung des ZDF am Wahlsonntag eine Übertragung aus der Uni Göttingen an, die jedoch bekanntermaßen nicht in Hessen liegt. Gemeint war ein Event in Gießen: Dort produziert das ZDF unter Berücksichtigung der an einigen Stellen der Universität vorhandenen Online-Kompetenz die Live-Sen­dung “Wahl im Web”, die am Abend der Hessenwahl sowohl online als auch im ZDF-Infokanal ausgestrahlt wird. In Anlehnung an das Experiment des Senders zur US-Präsidentschaftswahl sowie die betreffende Wahlparty vor Ort präsentiert der nicht minder famose MTV-Moderator Markus Kavka (”Hamma wieder was gelernt”) u.a. zwei Politologen, die die Geschehnisse kommentieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Beobachtung der Reaktionen auf die Landtagswahlergebnisse, wie sie sich in diversen Online-Formaten darstellen. Wenn das lokale Netz bei soviel Aktivität nicht zusammenbricht, folgen Eindrücke zum Geschehen vor Ort hier bzw. zeitnah via Twitter.
  2. Elefantenrunde im Hessischen Rundfunk
    Gestern präsentierte der HR die TV-Konfrontation der Spitzenkandidaten der im hessischen Landtag vertreten Parteien. Insofern die Sendung erwartungsgemäß inhaltlich keine neue Einsichten hervorbrachte, sei auf ein Detail hingewiesen. Wie üblich verstrickten sich die Kontrahenten in unergiebige Diskussionen über vermeintlich für ihre Aussagen relevantes Datenmaterial. Beim Streit über die Frage, ob in der Amtszeit des Ministerpräsidenten ein Stellenabbau im öffentlichen Dienst stattgefunden habe, beendete der Moderator den Schlagabtausch unter Verweis darauf, dass der Sender diese Frage prüfen und das Ergebnis heute online publizieren werde. Mal sehen, wann sich der betreffende Eintrag auf wahl.hr-online.de oder via Hessenwahl-Twitter finden lässt.
    Update: Der Faktencheck der HR-Online-Redaktion ergibt wichtige Differenzierungen der Fragenstellung - selbstverständlich lassen sich die Aussagen nicht eindeutig be- oder widerlegen… Trotzdem ein gelungener Versuch zur kommunikativen Verzahnung von TV- und Online-Angebot!

Paradoxien der Personalisierung

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Das linke Lager ist dabei geblieben, die hessische Landtagswahl zu einer Abstimmung über die Person des Ministerpräsidenten und die Bilanz seiner zehnjährigen Amtszeit zu machen. Dies dokumentieren großformatige Wahlplakate der SPD ebenso wie die unisono vorgetragene Parole, mit Koch sei weder eine große Koalition noch ein Bündnis unter Berücksichtigung der Grünen denkbar. Auch Social-Media-Aktivisten agieren in diesem Sinne, wenn sie via tweet-tagging (“#kochmussweg”) eine Mobilisierungs-Kampagne neuen Typs intendieren (vgl. Clemens Lerche). Auf diese Konstellation reagiert die CDU, in dem sie sich einen rot-grünen Vorwurf aus dem letzten Landtagswahlkampf zu eigen macht. Damals führte der von der CDU plakatierte Aufruf “Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen!” zu erbosten Reaktionen der angesprochenen politischen Gegner. Dieses Motiv nimmt nun die CDU auf und skandalisiert ihrerseits eine “Schmutzkampagne”. Dazu CDU-Generalsekretär Michael Boddenberg: “Auch zahlen sich die wiederholten Versuche nicht aus, den erfolgreichen und kompetenten Ministerpräsidenten Roland Koch zu diffamieren und persönlich anzugreifen. Dieser unanständige Wahlkampfstil stößt die Menschen ab.” (CDU-Homepage) Dies hindert Boddenberg aber nicht daran, noch in der selben Meldung von der “Ypsilanti-SPD” zu sprechen. Wer den Newsletter der Hessen-CDU abonniert, weiß darüber hinaus, dass es sich dabei um einen etablierten Textbaustein handelt, denn dort wird dieses Personalisierungsmotiv wiederholt verwendet. Damit attackieren die Christdemokraten die Positionierung des Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel (TSG) als brand new/new brand (zu Paradoxien des Vergleichsmaßstabs “Obama” siehe einen Beitrag von Christoph Bieber), der nur zu Beginn und Ende der Kampagne gemeinsam mit Ypsilanti präsentiert wird. So taucht die in der politischen Öffentlichkeit derzeit weitgehend unsichtbare sozialdemokratische Landes- und Fraktionsvorsitzende schließlich primär in der christdemokratischen Wahlkampf-Kommunikation auf.